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11. Januar 2008 | Basis-Information

Der einstmals geheimste Ort der Bundesrepublik liegt im Ahrtal

Dokumentationsstätte Regierungsbunker wird 28. Februar eröffnet

AHRTAL. Eine kurvige Wegstrecke führt mitten durch die Weinberge oberhalb von Ahrweiler, an deren Ende man bis vor ein paar Monaten in einer Hanglage eine Eisentür ohne jegliche Markierung oder Kennzeichnung vorfand. Nun herrscht hier reges Treiben, rattern Bagger umher und die Mitglieder des Heimatverein „Alt Ahrweiler“ bereiten sich auf eine große Aufgabe vor. Denn hinter dieser rätselhaften Tür befindet sich der ehemals geheimste Ort der Bundesrepublik Deutschland: der gewaltige Regierungsbunker im Ahrtal war das versteckteste Bauwerk in der Geschichte der BRD.
Auf Initiative des Heimatvereins „Alt Ahrweiler“ wird ab 1. März 2008 ein etwa 200 Meter langes Teilstück des ehemaligen „Ausweichsitzes der Verfassungsorgane der Bundesrepublik Deutschland“ in Bad Neuenahr-Ahrweiler als Museum und Dokumentationsstätte der Öffentlichkeit zugänglich sein. Erstmals werden den Besuchern dann Einblicke in die unterirdische Anlage gewährt, die über Jahrzehnte den Status eines Staatsgeheimnisses hatte.
An kaum einem Bauwerk in Deutschland, abgesehen von den Überresten der Berliner Mauer, lässt sich der historische Prozess vom Kalten Krieg zum politisch geeinten Europa besser demonstrieren als an diesem Bauwerk unter dem bekannten Rotweinwanderweg.
Etwa 30 Jahre lang diente der Regierungsbunker als Zufluchtsort der Bundesregierung und weiterer höchster Bundesbehörden bei einem möglichen „Krisenfall“. Im Falle eines atomaren, biologischen oder chemischen Angriffs hätte der Regierungsbunker 3.000 Menschen 85 bis 115 Meter unter dem Ahrgebirge für ungefähr 30 Tage das Überleben gesichert. Einer dieser 3.000 Privilegierten wäre der Bundeskanzler gewesen, der aus der damaligen Bundeshauptstadt Bonn - ebenso wie weitere Spitzenpolitiker und hohe Staatsbeamte - in kürzester Zeit im Ahrtal gewesen wäre, um Schutz zu finden.

Die Konzeption des Museums stammt vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung in Bonn in Zusammenarbeit mit dem Haus der Geschichte in Bonn. Neben einem etwa 200 Meter langen Teilstück des ehemaligen Bunkers ist auch ein Besucher-Informationszentrum mit Kinosaal im Aufbau. Ein Kurzfilm wird hier über die Hintergründe zur Entstehung der insgesamt 19 km langen Anlage informieren.
Lange Jahre spekulierten nicht nur die Bewohner des Ahrtals über dieses Bauwerk, das dort so heimlich im Weinberg schlummerte, und bereits zum Ende des Kalten Krieges wurde das Geheimnis allmählich gelüftet. Für die Öffentlichkeit zugänglich wird der ehemalige „Ausweichsitz der Verfassungsorgane“ aber nun erst im kommenden Frühjahr als „Dokumentationsstätte Regierungsbunker“ mit original Ausstattungs- und Einrichtungsgegenständen sowie anschaulichen Dokumentationen und Ausstellungen.
„Das öffentliche Interesse ist schon sehr groß. Fast täglich erreichen uns Besucheranfragen.“, freut sich Dr. Wilbert Herschbach, Vorsitzender des Heimat-Verein „Alt Ahrweiler“ auf die Eröffnung des „Museum des Kalten Krieges“ sowie auf die Aufgaben, die der Verein dann als Betreiber der Einrichtung zu bewältigen hat.
Nun wird dieses best gehütete Geheimnis jedoch nicht nur gelüftet, um die Neugierde vieler Bürger und Gäste zu befriedigen. Es geht vielmehr darum, einen Einblick in einen Abschnitt deutscher Geschichte zu gewähren und diesen auch insbesondere jungen Menschen zu vermitteln, die dieses Kapitel im Geschichtsbuch der Bundesrepublik nicht selber erlebt haben. So richtet sich die Dokumentationsstätte mit ihrem bildungspolitischen Auftrag auch ausdrücklich an Schulklassen.
Das Museum soll jedoch nicht nur Zeugnis geben von der Bestimmung des Bunkers in Zeiten des Kalten Krieges, sondern auch von seiner früheren Nutzung. Den Grundstock der ab 1960 ausgebauten Anlage bildeten drei vor und während des Ersten Weltkrieges gebaute Eisenbahntunnel einer nie vollendeten Güterzugstrecke. 1935 begann man in einigen der Tunnelanlagen mit der Zucht von Edelpilzen und bis 1943 wurden hier mit großem Erfolg Champignons angebaut. Drei der Tunnelanlagen wurden 1944 in Produktionshallen für die Rüstungsindustrie umgewandelt. Unter dem Decknamen „Lager Rebstock“ handelte es sich um eine KZ-Außenstelle von Buchenwald, in dem osteuropäische Zwangsarbeiter zur Produktion von Kriegsfahrzeugen herangezogen wurden.
Bis 1972 wurde die Bunkeranlage dann auf eine Gesamtlänge von 19 Kilometer erweitert. Die beiden östlichen Bauteile wurden mit einem tieferliegenden Verbindungsstück in Marienthal mit den drei westlichen Bauteilen verbunden. Insgesamt verfügte der etwa 188.000 qm große „Ausweichsitz der Bundesregierung“ somit über 936 Schlafzellen, 895 Büroräume, 5 Kommandozentralen, 5 Großkantinen, 5 Sanitätsbereiche mit OP-Sälen, 1 zahnärztlicher Bereich und 1 Friseursalon. Die etwa 3 Milliarden DM teure Anlage verfügte über 25.000 Türen. Im Rahmen von NATO-Übungen erprobten bis 1989 alljährlich rund 2.000 ausgewählte Personen für 14 Tage unter dem Ahrgebirge den Krisenfall.

Spannend bleibt die Frage, welche Eindrücke die Besucher des Bunkermuseums gewinnen werden und wie der Kontrast der idyllischen Atmosphäre des Ahrtals außerhalb des Bunkers und der Impressionen im Museum empfunden wird, wobei der zweite Aspekt keineswegs als Abschreckung, sondern eher als Aufforderung formuliert ist.

Das Museum wird im Stadtteil Ahrweiler, Am Silberberg, errichtet. Unter www.bunkermuseum-ahrweiler.de erfährt man weitere Details.
Für die Vermittlung von Führungen im ehemaligen Regierungsbunker sowie spezielle Gruppenangebote, die ab 01.03.2008 angeboten werden, wird der Ahrtal-Tourismus Bad Neuenahr-Ahrweiler e.V. zuständig sein.
Eine Besichtigung ist nur im Rahmen einer Führung möglich. Diese wird für Einzelbesucher mittwochs, samstags, sonntags und an Feiertagen angeboten. Hierfür ist eine Voranmeldung nicht erforderlich.
Darüber hinaus werden Führungen für angemeldete Gruppen ganzjährig möglich sein.
Nähere Informationen erhalten Sie beim Ahrtal-Tourismus Bad Neuenahr-Ahrweiler e.V., Hauptstraße 80 und Blankartshof 1, 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler, Tel.: 0 26 41 – 91 71 0, Fax: 0 26 41 – 91 71 51, E-Mail: Regierungsbunker@Alt-Ahrweiler.de und info@ahrtaltourismus.de, Internet: www.bunkermuseum-ahrweiler.de und www.ahrtaltourismus.de.




Ahrtal-Tourismus Bad Neuenahr-Ahrweiler e.V. · Hauptstraße 80 · Blankartshof 1 · 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler · Tel. 02641 9171-0
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